Mendler

Farbrausch 

Dominanz der Farbe, Leidenschaftlichkeit des Malprozesses und ein bei stark expressiver Wirkung nicht zu verleugnender Optimismus zeichnet die Arbeiten von Hans Mendler seit jejer aus. Neu ist eine Konzentration, eine Verdichtung hin zur formalen Strenge: Die Farbgewitter sind endgültig klaren, flächigen Gliederungen gewichen, gezähmt sind die temperamentvollen, den Vordergrund bestimmenden Lineature0n aus tachistisch aufgebrachtem Wachs.

Die Übermalungen und gespachtelten Schichtungen wirken raffiniert und in ihrer unterschiedlichen Dichte subtil; durchdringen sich doch die Ebenen, lassen darunter Liegendes durchscheinen. So bilden sie eine unbestimmte faszinierende Räumlichkeit.

Die drei Primärfarben rot, blau und gelb bestimmen das Geschehen, wobei das Gelb die meisten Nuancen ins Spiel bringt: Zitronengelb, Cadmiumgelb, Nepalgelb strahlen in großen zusammenhängenden Feldern oder als kleine freche Akzente. Weiß und schwarz erhalten die Bedeutung von trennenden Feldern oder Streifen, doch wer vorschnell Piet Mondrians exakt konturierte Rechtecke assoziiert, muss fehlgehen. Präzise Begrenzungen, geometrische Formen widersprächen völlig dem verspielten Charakter Hans Mendlers; zudem entstehen die Flächen aus vielfach übermalten Schichten.

An manchen Stellen wird Farbe auch wieder abgekratzt, Linien eingeritzt, so dass sich diffizile Zeichnungen ergeben. Der Künstler erlebt hier selbst seine Überraschungen, meist zu Recht den Zufällen vertrauend, gelegentlich aber durchaus zu seinem Missvergnügen...

Vollmalen, zuspachteln, abdecken, dann wieder wegmalen: der Malprozess ist ein immerwährender Dialog des Künstlers mit seiner Arbeit – und ihm als Aktion, als unberechenbares, lustvolles Abenteuer wichtiger als das Resultat eines fertigen Bildes.

Hans Mendler

1950  GEBOREN IN Neresheim / Ostalb

1959  Umzug nach Ulm / Donau

Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste

Stuttgart, bei den Professoren Peters, Bachmayer, Böhmer

Studium der Germanistik an der Universität Stuttgart

1978  Umzug nach Leonberg

1983 Heirat mit Izsák Márta in Budapest, seither häufig in Ungarn, vor allem in Dunaszekcsö / Südungarn

Mitglied der Künstlergemeinschaft “ Die Gruppe“
Kraftfelder

Ein wenig asymmetrisch verschoben schweben zwei “Gelb-Tafeln“ vor den beiden leicht durchscheinenden schwarzen und weißen Flächen; dazwischen und dahinter spielt sich vage etwas ab, zumindest sind Spuren eines vorherigen Zustands erkennbar: Tafeln mit einer zu enträtselnden Aussage? Zwei rote, ungleiche Säulen formen die stabilen Pfeiler einer “Brücke“ inmitten eines überströmenden Gelbs; eine schwarze “ Cadenza “ überzieht, von links nach rechts vordringend, dabei rot und blau mit sich führend, den gelben Untergrund – nicht ohne hinter sich wiederum weiß und gelb zu entblößen. Zwei rote Felder, eines bereits aufgebrochen, bilden eine wie elektromagnetische “Spannung“ vor leuchtendem orangefarbenen Grund. In einem “Feldspiel“ kann die Farbe Rot in minimaler Präsenz vorkommen, während ein Blau – ein Königsblau “Le roi“? – sich stark macht. Niemals aber sind diese Kraftfelder monochrom – Mark Rothko ist sehr weit weg. Immer weisen sie Spuren ihres Entstehens auf oder sind von nachträglichen Zeichnungen bedeckt; sie können sogar schraffiert sein wie auf einer “Landkarte“, ein blaues “Fährboot“ mit sich führen, “crevette“ oder zarte “Feder-Fische“ oder sogar Schiffe voller Heimweh. Die Bildtitel sind weniger narrativ als früher, dennoch überrascht uns Hans Mendler mit witzigen Anspielungen und ungewöhnlichen Einfällen: >This is not America< heißt es über die in einem Eck konzentrierten Streifen; mit >Dov’è Giacomo?< stellt er unsere Fähigkeit zu genauer Beobachtung auf die Probe, mit >le chien andalou< weist er den Weg zu einer surrealen Assoziation, bei den >strawberry fields< mit den fallenden roten Objekten führt er uns frech in die Irre – oder?

Bewegung kann dynamisch, ja wild sein wie in einem >Tanz< oder gemächlich

>va bene<; ihre Richtung kann mal >hoch hinaus< zeigen oder sich auf einem >Tavola< abspielen. Selbstverständlich finden sich neben vielfarbigen auch Arbeiten, in denen höchstens zwei Farben um die Vormacht ringen oder sogar nur eine dominiert: ein blauer, beziehungsweise silberner >Kopf<, dessen Körper wie übermalt wirkt, eine >Fahrt< in der das Rot von der weißen Fläche voll zarter schwarzer Zeichenschrift an den Rand gedrängt ist.

Heiterkeit

Das Malen, der Umgang mit der Farbe ist für Hans Mendler mehr als pures Vergnügen, es ist Lebenselixier. Bemalt werden nicht nur Leinwand und in temperamentvoller Geste die Malbücher, sondern Holzbalken, Bretter, Zeltplanen, Sackleinen: der Reiz eines unebenen Untergrundes, der bereits eine Geschichte mit sich führt, addiert sich mit einer anderen Stofflichkeit zu haptischem Erleben.

Die Verwendung gefundener Hölzer – wozu schließlich zieht man in ein Pfleghof-Gebäude mit langer Vergangenheit? – führt außerdem zu extremen Formaten: schmale, hohe Stelen oder kleine Holztafeln, die als Serie zusammengehören.

Ausprobiert wird selbst das Aufschrauben eines Keilrahmens: ein >Rotfeld< prangt erhaben in der Mitte einer weißen Leinwand, wird flankiert von mehreren gelben und einer gestreiften Fläche und fordert die Betrachter zur Überlegung heraus, was sich wohl darunter befinden mag, Grundierung? Ein Bild? Es bleibt das Geheimnis des Künstlers.

Der Schritt zur Dreidimensionalen ist damit bereits vollzogen: wie auf Stelzen präsentieren sich die Objekte, die er >Blinky< nennt, als Hommage an den verstorbenen Kollegen Blinky Palermo, eine Huldigung an dessen Materialcollagen und Farbfelder voller Sinnlichkeit.

Seit langem schon arbeitet Hans Mendler mit Fundstücken seiner Umgebung, baut sie nicht nur als Elemente in seine Bilder ein, sondern schafft kleine Skulpturen, Mobiles und Stabiles, die fragil und technoid mal an Jean Tinguely erinnern mögen, mal das jeweilige Objet trouvé ins Zentrum stellen. Die zufällige Begegnung von Vogelfeder und Nudelholz, Käseschachtel und Anglerutensilien – sie schafft ein Universum für phantastische Einfälle. Wie es in der Malerei durch das Aufeinandertreffen der Farben geschieht – eine Magie der Zufälle, die eigentlich nie Zufälle sind, eher Resultate eines Einlassens in unbekannte Abenteuer. Und dies fordern die Bilder auch von den Betrachter.

Literatur ( Auswahl )

Degendorfer / Thiel / Mendler: >Restfigur<, Leonberg 1981

Bathelt / Hüer / Schmitd – Wulfen:

>Die Gruppe<, Metz – Verlag, Tübingen 1985

Degendorfer: >Hans Mendler<, Katalog, Leonberg 1986

Bathelt: >Die Gruppe<, Leonberg 1989

Engholm, Nándor Salomon, Schreiner:

>Die Gruppe< 1992

Irene Ferchl: >Hans Mendler< Katalog 1992

Christina Ossowski / Irene Ferchl: >Wege< 1993

Martin Frischauf, Schwabenrepro:

>Malerbücher<, Kalender, 1996

Beate Lutz-Weber:>72 Stücke<, 1997

Mendler / Jovián: >Bacchus<, Christina Ossowski, 1999

Irene Ferchl / Kurt Weidemann: >handmade<, Hans Mendler, 2000

Einzelausstellungen

1978  Kunstverein, Ludwigsburg

1979  Kunstverein, Neu-Ulm

1980  Kreissparkasse Göppingen ; Galerie LeonArt, Leonberg

1982  Rathaus Sindelfingen

1983  Galerie Fleiner Möbel, Stuttgart

1985  Städtische Galerie, Herrenberg ; Galerie Uli Lang, Biberach

1986  Glaskasten, Leonberg ; Fészek Kulturclub, Budapest

1987  Galerie Angelika Harthan, Stuttgart ; Galerie Spectrum, Wien

1990  Leonberger Bausparkasse

1991  Pécs / Ungarn, Kulturhaus

1992  Rathaus Gerlingen

1993  Stevenson Gallery, San Diego mit Márkos Zehntscheuer, Möglingen

1994  Museo Civico, Rovinji/Kroatien, mit der Stadt Leonberg ;

Künstlertreff Stuttgart

1995  Galerie im Durchgang, Blaubeuren ; Sebastianskapelle, Ulm

1996  Glaskasten, Leonberg

1997  Merlin Kulturclub, Budapest

1999 Leolux-Design-Center, Ludwigsburg ; Ungarisches Kulturinstitut, Stuttgart mit Jovián György

Wendelinskapelle, Kunstforum, Weil der Stadt

2000 Galerieverein, Leonberg ; Bauernhausmuseum Gebersberg

Galerie Erlin, Budapest ; Kunsthöfle, Cannstatt

Ungarisches Kulturinstitut, Berlin, mit Jovián György

MÓR, Ungarn Schloss Lamberg, mit Jovián György

2001 Haus Ungarn, Berlin, mit Jovián György ; Haus Dingethal, Weil der Stadt

2002 Ostern : Benissalem / Mallorca mit weiteren spanischen und deutschen Künstlern

Mai : Galeria HMH Puerto d´Andtrax

Herbst : Musée Chateau de Belfort

Ausstellungsbeteiligungen

1981 Galerie LeonArt, Leonberg mit Degendorfer und Thiel>Restfigur<

1984 Ausstellung mit >Die Gruppe< in Dortmund, Schweinfurt, Saarbrücken ; Galerie L’Esplanade De La Défense, Paris   Installation Kafkas Schloss, Schloss Heimsheim                              Video-Produktion mit dem Pantomimen Peter Makal, Stuttgart

1987  Künstlerhaus, Ulm mit Jovián und Fleischmann

1989  Ausstellungen mit >Die Gruppe< in Leonberg,Böblingen,Herrenberg

1990  Ausstellungen mit >Die Gruppe< in Nijmegen, Holland

1992 Ausstellungen mit >Die Gruppe< in Waldkraiburg, Szombathely, Böblingen und Galerie AL, Stuttgart

1993 Galerie im Körnerpark, Berlin, mit Sailer, Kares, Keller

1994 Grafikbiennale, Szekszárd/Ungarn ; Grafikmesse, Dresden

1995 Grafikbiennale, Ljublijana ; Grafikmesse, Dresden

Projekte Kunst am Bau

 - Treppenhaus der Leonberger Bausparkasse

 - Mobile in der Geschwister Scholl Schule, Leonberg

 - Mobile / Stabile aus Stahl, Kreiskrankenhaus, Böblingen

 - Litfasssäule des Jugendhauses, Untertürkheim

 - Kunstwand Klinikum St.Georg / Leipzig