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Sein Kennzeichen ist das flüchtige Stück Seide, angeschmiegt an eine weibliche Form. Typischerweise ist fast nichts vom Kopf zu sehen, die Gliedmaßen sind nur teilweise zu erkennen, der Körper und seine mit hoher Plastizität gestaltete Verhüllung stehen wie freigestellt auf der Bildfläche. Nicht zufällig entsteht hier eine Assoziation zu den klassischen Skulpturen, wie wir sie heutzutage aus ihrem historischen Umfeld gerissen und oft nur noch als Torsi über Jahrtausende gerettet vorfinden. Schönheit und Verletzlichkeit des menschlichen Körpers sind seit jeher die großen Themen der Maler und Bildhauer. Mit seiner Feier des weiblichen Körpers und der Faszination der transparenten Verhüllung verwurzeln Kissmers Druckgraphiken dieses Thema in der Kunst des 19. Jahrhunderts zwischen „belle époque“ und „fin de siècle“. Willi Kissmer wurde 1951 in Duisburg geboren und studierte an der renommierten Folkwangschule in Essen Freie Graphik. 1980 entschied er sich endgültig, die Karriere als Rockmusiker an den Nagel zu hängen und sich ausschließlich der Bildenden Kunst zu widmen. Studienreisen führten ihn durch den gesamten Mittelmeerraum und nach Südamerika. Den bleibendsten Einfluß aber hatte die Kunst Asiens auf sein Schaffen. Deren kompositorische Zurückhaltung und starke Spiritualität mit hoch diszipliniert und effektiv eingesetzten gestalterischen Mitteln bestimmen die Ästhetik seiner Arbeiten. Ein begeisterter amerikanischer Kunsthistoriker schilderte seine Empfindung angesichts dieser technisch höchst anspruchsvollen Radierungen: „Man sieht sie nicht nur, sondern man kann sie mit den Augen berühren.“ Willi Kissmer erwarb 1989 den historischen Hebeturm Homberg. Hier richtete er sich auf den verschiedenen Etagen seinen Lebensraum und seine Arbeitswelt ein. Sein Werk wird weltweit in Gruppen- und Einzelausstellungen präsentiert. Veröffentlichung aus Finest 2/01 - Autorin Susanne Müller |