„Niemand kann auf der Stelle treten“

Erst Weltenbummler, dann Gastronom und schließlich Maler: Norbert Graubner

Es ist immer spannend, die Arbeit eines Künstlers über längere Zeit zu verfolgen. Auf Mallorca ist Bombolo spätestens seit 1992 ein Begriff. Damals hatte er seine erste Ausstellung in Palma. Zu diesem Zeitpunkt war er aber schon längst kein Unbekannter mehr, obwohl er verhältnismäßig spät im Leben angefangen hat zu malen.

Der Mann, den alle Bombolo nennen, heißt in Wirklichkeit Norbert Graubner. „Doch Bombolo heiße ich schon seit meiner Kindheit“, sagt er. Geboren wurde Norbert Graubner im Jahr 1947 in Weinbach bei Frankfurt. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Koch, fuhr als Schiffskoch der Holland America Line um die halbe Welt. Das war in den Jahren zwischen 1976 und 1970.

Schließlich kam er irgendwann nach New York. In den Vereinigten Staaten begann der erste Kontakt mit den amerikanischen Indianern. Bombolo machte lange Reisen durch Indianer-Reservate, beschäftigte sich mit der Kultur der Navajos und Hopis, war monatelang alleine mit dem Mountainbike unterwegs. Was aber erst einmal nur bedingt Einfluss auf seinen Lebensweg hatte. Denn zunächst war es noch nicht so weit, diese Eindrücke künstlerisch umzusetzen.

Zunächst kam eine mehr oder weniger bürgerliche Karriere. Das von ihm ins Leben gerufene und geleitete Restaurant „La Bonne Auberge“ in Frankfurt war dort alsbald ein Begriff. Ebenso wie „Chez Bombolo“ oder das „Hardrock-Cafe“. Alles in allem ganz beachtliche Erfolge. Und eine Karriere, auf die viele stolz gewesen wären, die viele um jeden Preis hätten halten wollen. Doch Bombolo wollte von einem Tag auf den anderen nicht mehr, schmiss alles hin, verschmähte den Erfolg, aber auch die damit verbundenen Verpflichtungen.

Dazu schreibt die Fernsehregisseurin Christel Hinrichsen, die im Jahr 1997 in der Reihe „Lebenslinien“ einen Film über Bombolo gemacht hat: „Als er (gemeint ist Bombolo) 1983 auf die Insel kam, da hatte er schon ein ganzes Stück Leben hinter sich. Ausgebrannt war er, seelisch und körperlich erschöpft und nicht zufrieden mit seinem Leben. Ohne zu wissen, wie es weitergehen würde, ließ er sich auf Mallorca, in S’Arracò nieder.“

Das Jahr 1984 verbringt er mit der Restaurierung eines 1905 in England gebauten Lotsen-Kutters, ein Schiff, das zeitweise auch von Ernest Hemingway gesegelt wurde. Die „Fair Down“ liegt heute im Museumshafen von Flensburg.

Als er eines Tages bei Reparaturarbeiten an seinem Haus vom Dach fällt und zwei Tage schwer verletzt am Boden liegt, ist das wie ein Signal für ihn: Er beschließt, sich einmal mit sich selbst auseinander zu setzen und geht dafür einige Wochen in ein japanisches Zen-Kloster. Dort praktiziert er Zazen, sitzt Stunden um Stunden, Tage um Tage in tiefer Versenkung schweigend vor der Wand. Der Aufenthalt wird zum Wendepunkt in seinem Leben; er beginnt danach wie besessen zu malen – und hört nicht mehr auf: Die Malerei wird sein Beruf.

Seine ersten Arbeiten beschäftigen sich mit den Indianern. Es sind schöne, harte Gesichter, die Bombolo darstellt, Gesichter, die um Leid und Außengestoßensein wissen, Gesichter, die keine Resignation kennen.

Es folgt Ausstellung um Ausstellung, auf Mallorca, in Frankfurt, in Barcelona.

Und irgendwann auch das Klischee: Bombolo – der Indianermaler.

„Ich habe meine Indianerporträts voller Überzeugung gemalt“, sagt Bombolo. „Doch niemand kann auf der Stelle treten. Ich arbeite jeden Tag, vom Morgen bis zum Abend. Da ändern sich Behandlung und Form.“

Im Laufe der Zeit änderten sich auch seine Themen. Abstraktion kam ins Spiel, um Stille, um Betroffenheit auszudrücken. Einige Zeit reist Bombolo immer wieder nach Berlin, beschäftigt sich mit dem nach dem Mauerfall neuen Ambiente dieser Stadt, mit dem Zusammenprall zweier Welten, die beide deutsch genannt werden.

Auch Spanien ist ein Thema, mit der ewigen Herausforderung von „Viva la muerte!“, mit Corrida und Bürgerkrieg, mit „sol y sombra“ (Licht und Schatten). Nicht umsonst ist in einem Buch über Bombolo auch Federico García Lorca zitiert: „Am Nachmittag um fünf Uhr...“. Herausgeber des Buches „Bombolo 1992-1995“ ist der Berliner Filmemacher und Dokumentarist Joachim Schubert.

Auch der Aufenthalt in Japan hat deutlich sichtbare Spuren in Bombolos Arbeiten hinterlassen. Mehrere Ausstellungen zeigten Köpfe, Schädel, Gesichter von Mönchen. „Keines der Bilder ist ein Portrait“, sagt Bombolo, „doch ich kenne sie alle“. Jedes Bild ist Ausdruck einer eigenen Persönlichkeit, wie sie in sich geschlossener kaum vorstellbar ist.

Es sind Arbeiten in Öl, auf Papier, Zeichnungen, Holzschnitte. Und manchmal hat der Betrachter fast den Eindruck von einer unendlichen Reihe von Selbstportraits, die die vielen Aspekte, die unterschiedlichen Facetten des Menschen Bombolo zeigen. Oder als ob Bombolo sich selbst betrachtet. Denn Zentrum all dieser Köpfe, ob sie den Indianern, Tibet oder Japan zuzuordnen sind, sind immer die Augen, die den Betrachter zu durchdringen scheinen.

Das Thema der Köpfe ist auch Thema eines Buches mit dem Titel „La Pared - Die Wand“ in Anlehnung an die Meditationssitzungen vor Klosterwänden im Fernen Osten, das das Preussische Kontorhaus am Gendarmenmarkt in Berlin herausgegeben hat. Den klugen und einfühlsamen Text schrieb die katalanische Kunstkritikerin Maria José Corominas.

In den neuen Arbeiten in S’Estació wird das Thema weitergeführt, wird aufgelöst. Die Form verliert an Bedeutung; die Farbe wird noch wichtiger als sie es schon zuvor war. Es sind ruhige, stille Farbspiele in warmen Rot- und Gelbtönen, nur gelegentlich in dramatischem Blau mit spannenden, interessanten Texturen. Bombolo trägt auf der Leinwand, Holz oder Papier nicht nur Farbe immer wieder übereinander auf; er erreicht auch besonders Effekte durch mehrere Schichten Firnis, die eingeritzt und die Ritzungen später wieder verwischt werden. Es sind Bilder voller Ausgewogenheit und Balance.

Bombolo malt mit unsäglichem Fleiß, mit großer Akribie. Wie er überhaupt ein Mensch der Kontinuität ist. Sein Buch „La Pared – Die Wand“ hat er Maria Pujol Ensenyat in Sant Elm gewidmet. „Dort, in The Bar, esse ich jeden Tag zu Mittag. Seit Jahren schon. Das war mein Dank für das Zuhausegefühl im Dorf.“

 

Bombolo zitiert vor einigen Jahren den Indianer Lame Deer: “Das Herz des Menschen fern von der Natur wird hart. Mangel an Achtung, vor dem, was wächst und lebt, führt auch schnell zu einem Mangel an Achtung vor dem Menschen.“ Bombolo hat sich das offene Herz bewahrt.

Gabriele Kuntze - MM

JAHRESÜBERSICHT

1947

Bombolo wird als Norbert Graubner in Weinbach an der Lahn geboren.

 

1962-65

Verlässt Dorf und Elternhaus und absolviert eine Lehre als Koch.

 

1965-70

Wanderjahre als Koch - auf Schiffen der Holland America Line, nach Nord- und Zentralamerika, Polynesien, Südostasien, Japan, Australien und Neuseeland.

1970-83

Besitzt und leitet renommierte Restaurants mit französischer Küche, u. a. das Gourmetrestaurant Bonne Auberge, das Hard Rock Cafe und das Waikiki in Frankfurt - bricht auf dem Höhepunkt dieser Karriere von heute auf morgen mit seinem bisherigen Leben ab.

1984

Restaurierung eines 1905 in England gebauten Lotsenkutters (zeitweise von Ernest Hemingway gesegelt) - die Fair Down liegt heute im Museumshafen von Flensburg.

1985

Studienreise durch die dänische Inselwelt.

1986-87

Studienreisen durch Hopi- und Navajo-Reservate im Südwesten Amerikas –Arbeitsaufenthalte in Aspen, Colorado - Begegnung mit Georgia 0´Keefe in Abiquiu und Alan Houser in Santa Fé, New Mexico.

1988

Studienreise durch Maui, Hawaii.

1989

Studienaufenthalt in London und an der Küste von Cornwall.

1991

Aufenthalt im Zen-Kloster Hosshin-ji, bei Harada Sekkei Roshi in Obama-shi, Japan.

1992

Beginnt er seine Malerei vorzustellen.

1993

Reise mit Harada Sekkei nach Leh, Alchi, Lamayuru und Hemis Festival in Ladakh, Himalaya/India.

1994

Studienreisen in die Indianer-Reservate der USA.

1995

Dreharbeiten zum Filmportrait „Sicherheit ist eine Illusion“.

1996

Aufenthalt im Kloster Hosshin-ji in Obama, Japan.

1997

Ausstrahlung des Filmportraits im Bayerischen Rundfunk III.

Studienaufenthalt in Alaska.

1999

Galerie Woeller - Paquet, Frankfurt.

E‘station Sineu/Mallorca.

2000

Galerie Hella Maria Höfer – Pto. Andratx/Mallorca

2001

“weddings and funerals” - Galerie Forum – Usingen Alemania

2002

“wie die Sterne” – Galerie Vin d’Oc – Berlin/Alemania

“juegos sobre papel“ – Son Floriana – Cala Bona /Mallorca

Galerie Bernard – Köln / Alemania